Jobziel Unternehmer

Studienzeit ist Gründerzeit "Das Studium ist ein optimaler Zeitpunkt zur Unternehmensgründung", ist Guido Kurth überzeugt. Der 28-jährige Diplom Kaufmann muss es wissen: 2004 gründete er als Student die Firma Confabs GmbH, die heute in Berlin 10 Mitarbeiter beschäftigt.

Dennoch sind Studierende und Absolventen in Deutschland, die während oder nach dem Studium ein Unternehmen gründen oder gründen wollen, immer noch eine Minderheit. Dabei ist die Selbständigkeit eine ernsthafte Alternative zurFestanstellung. Wer den Sprung in die Selbständigkeit schafft, ist meist zufriedener als ein nicht selbständiger Absolvent und erzielt, so die Hochschul-Informations-System GmbH, ein mindestens ebenso hohes Einkommen. Nur 5% der Wirtschaftswissenschaftler mit Universitätsabschluss machen sich in den ersten 5 Jahren nach Ihrem Studium selbständig, unter den Fachhochschulabsolventen ist es immerhin jeder zehnte. Der überwiegende Teil akademischer Unternehmensgründungen wird von Gründern (74 %) und nicht von Gründerinnen durchgeführt. Im Vergleich zu anderen Bildungsgruppen ist dieses Ungleichgewicht hier recht groß.

Volkswirtschaftlich gesehen sind vor allem Unternehmensgründungen im wissenschaftlich-technologischen Bereich von großer Bedeutung. Durch Spin-Offs aus Hochschulen oder öffentlichen Forschungseinrichtungen, können Forschungsergebnisse in kleinen Unternehmen wesentlich schneller in marktfähige Produkte umgesetzt und Marktpotenziale besser erschlossen werden als in Großunternehmen.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert seit einigen Jahren im Rahmen des Exist Programms Gründungen aus Hochschulen. Studierende, Wissenschaftliche Mitarbeiter und Absolventen haben in diesem Förderprogramm die Aussicht auf finanzielle Unterstützung. Aber auch die deutschen Universitäten haben das Thema für sich erkannt. Mittlerweile sind laut dem Förderkreis Gründungs-Forschung e.V. 47 Gründungslehrstühle an deutschen Hochschulen besetzt. Prof. Dr. Jürgen Schmude von der Universität Regensburg konnte in seinem aktuellen Ranking „Vom Studenten zum Unternehmer: Welche Universitäten bieten die besten Chancen“ bei 50 von 72 ausgewerteten Universitäten ein durchschnittliches bis sehr gutes Entrepreneurship Lehrangebot feststellen.

Offensiv geht auch die Freie Universität Berlin (FU) die Gründungsförderung an, die an dieser Stelle als Beispiel dient. Ihr Vizepräsident Univ.-Prof. Dr. Helmut Keupp kündigte im Rahmen der Auftaktveranstaltung des Business Plan Wettbewerbs Berlin-Brandenburg zuletzt an, die Freie Universität als Gründungsuni etablieren zu wollen. Glaubt man der oben erwähnten Studie hat die FU noch einen weiten Weg vor sich. Im Ranking der Studie belegt sie den 27. Platz. Das Spitzenfeld der Studie, in der Universitäten nach acht Kriterien wie beispielsweise Lehrangebot, Ausgründungsaktivtät und Motivation bewertet werden, belegen die Universitäten Lüneburg, Potsdam und Wuppertal die ersten drei Plätze.

Doch die Freie Universität Berlin hat, wie die meisten Universitäten, verschiedene Projekte auf den Weg gebracht, um ihre Gründungsförderung zu verbessern. Das vor einem Jahr eingerichtete Gründerzentrum bieten den eigenen StartUps Büroflächen und Infrastruktur und wird auf Grund der großen Nachfrage nun erweitert. Aber auch zur Nutzung von Forschungsergebnissen hat man sich in der Abteilung Wissens- und Technologietransfer der FU Gedanken gemacht und das Programm BWL´meets´Innovation initiiert. Ziel dieses Programmes ist es, Forscher mit Studierenden und Absolventen der Wirtschaftswissenschaften an einen Tisch zu bringen. Die Forscher, häufig Naturwissenschafter, haben zwar wirtschaftlich verwertbare Forschungsergebnisse, aber entweder nicht das betriebswirtschaftliche Know-How diese im Rahmen eines Spin-Offs zu verwerten oder einfach kein Interesse daran, ihre wissenschaftliche Karriere aufzugeben.

„Nicht jeder, der gründungswillig ist und vielleicht auch ein guter Unternehmer wäre hat die zündende Idee und viele, die operativ ein Unternehmen führen können, sind nicht in der Lage einen formalen Business Plan zu verfassen und Banken zu begeistern. Somit bleibt es nur zu oft beim Wunsch.“ sagt bdvb Mitglied Matthias Heilmann, der mit der Berliner Firma Business Think Tank (BTT) in diesem Umfeld eine Chance sieht. BTT entwickelt Geschäftsmodelle bis zur Gründung und stellte den klassischen Gründungsprozess auf den Kopf. Hier steht nicht der Gründer am Anfang, sondern die Idee, die mit geübter hand professionell auf Chancen und Risiken hin bewertet und – wenn sie erfolgsversprechend ist – zu einem kompletten Unternehmen ausgestaltet wird. Dann erst wird der passende Unternehmer gesucht, der die neue Firma übernehmen darf. Dabei bleibt er nicht alleine, wird nicht ins kalte Wasser geworfen. Denn Business Think Tank betreut die Neuunternehmer noch über Jahre bis zum Erfolg.
Auf dem Weg zum Erfolg wird es für die Hochschulen sein, auch jenen Studierenden und Wissenschaftlern ihre Angebote zugänglich zu machen, die sich bislang nicht mit dem Thema Gründung beschäftigt haben. Aus persönlichen Gesprächen kann man immer wieder erfahren, dass leider auch an vielen wirtschaftswissenschaftlichen Fachbereichen das Thema Unternehmensgründung nicht behandelt wird. Das sollte sich ändern, für eine bessere Gründerkultur in Deutschland.

Florian Nöll